Der neue Park am Nordbahnhof
Nun gibt es in Berlin einen weiteren offiziellen Park: Nachdem das 5,5 Hektar große Nordbahnhof-Gelände Jahre lang brach lag wurde es gestern zur allgemeinen Bespaßung freigegeben.
Der 1842 in Betrieb genommene Stettiner Bahnhof, einer von mehreren Berliner Kopfbahnhöfen, sorgte für die Verbindungen von Berlin in den Ostseeraum. Bereits 34 Jahre später wurde er durch einen größeren Neubau ersetzt. Im zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof stark beschädigt, aber dennoch recht schnell wieder genutzt. 1950 erfolgte die Umbenennung in Nordbahnhof, 1952 wurde der Personenverkehr eingestellt - zum einen wegen der Kriegszerstörungen, zum anderen, weil die Züge nach Verlassen des Bahnhofs erst Westberliner Gebiet durchquerten bevor sie weiter nördlich wieder Ostberliner Gebiet erreichten. Mit dem Mauerbau 1961 wurde auch der S-Bahnhof geschlossen. Die Ruine des Bahnhofs riss man 1965 ab, heute erinnern nur noch die Reste des (bereits 1936 geschlossenen) Vorortbahnhofs (im Volksmund "kleiner Stettiner" genannt), und die wenigen Schienenreste an den alten Bahnhof.
Die Bahnhofsmauer aus Ziegelsteinen in der Gartenstraße nutze man als Grenzmauer, die Durchgänge wurden erst mit Ziegelsteinen, später immer massiver vermauert, heute wird dies exemplarisch an einem "Archäologischen Fenster" verdeutlicht. Mitte der 60er errichtete man eine neue Grenzmauer, deren Verlauf heute durch eine Pflastersteinreihe gekennzeichnet wird. Die alte westliche Hintermauer blieb erhalten - sie trennt heute den Park von den Buddelkisten Beachvolleyballfeldern - während die, Mitte der 80er errichtete, neue Hinterlandmauer abgerissen wurde.
Nach dem Mauerfall entwickelte sich auf der Brache eine üppige Vegetation, sie bot Raum für gefährdete Baum- und seltene Vogelarten. Der Bedeutung für den Naturschutz wurde auch bei der Parkgestaltung Rechnung getragen, so findet man z.B. mehrere aus Sandsteinen und Granitborden aufgeschichtete Kuben, in deren Ritzen Lebensraum für diverse Kleintierarten entsteht.
2002 beschloss der Senat, dass der Park nur noch über sogenannte Ausgleichsmaßnahmen finanziert werden dürfe. Dadurch flossen die Gelder für den Umbau eher gemächlich - vielleicht ganz gut für die Entwicklung der Vegetation. Den größten Batzen musste übrigens die Bahn zahlen, die u.a. direkt neben dem Gelände große Bürohäuser bauen ließ. Irgendwie gerechtfertig, wenn ich diese hübschen Bauten im Hintergrund so betrachte... ;)
Nun aber zum Park an sich: Ein richtiger Gammel- und Wohlfühlpark ist das nicht - trotz des netten Birkenwäldchens, trotz der zwei mit eher untypischen Sitz- und Spielgeräten ausgestatteten "Trapeze", die, über Stege erreichbar, zwar zum Erholen einladen sollen, aber eher ein wenig wie Rettungsinseln wirken. Ein bisschen karg sieht das alles aus, mitunter gar streng, wenn ich mir die vielen Absperrungen (Reling genannt) oder einige Eingänge betrachte. So bleibt der Park in erster Linie wahrscheinlich für mittagspausierende Bahnangestellte und Touristen, die, nachdem sie sich genug beim Verkehrslärm an der Mauer gegruselt und dann im - Ende des Jahres fertiggestellten - Infopavillion gebildet haben, für ein wenig Ruhe dankbar sind. Aber dass der Park "ein wenig anders ist" ist okay so - und gewollt, denn es handelt sich - laut Infotafeln am Haupteingang - um einen "Park neuen Typus... wie er bislang für städtische Räume nicht bekannt ist". Mal sehen, wie der Park angenommen wird, und wie er sich entwickelt, vor allem, wenn er bald Richtung Norden ausgebaut wird.
Park am Nordbahnhof, S Nordbahnhof, U Zinnowitzer Straße, geöffnet täglich bis 22 Uhr, Eintritt frei
Quellen: Wikipedia, Tagesspiegel, Bericht in der Berliner Woche (Wedding), Informationstafeln am Haupteingang
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